{Leben mit Kind} Vom Gesehen werden oder auch: Eltern-Mitgefühl

Es folgen Zeilen tiefer Dankbarkeit direkt von meinem Herz in deins.

Neulich saßen wir in einem vollen Bus. Mein Baby war sehr müde und daher missgestimmt. Ich hielt mein Baby im Arm und versuchte, es aufzumuntern. Erfolglos. Ich spürte die Blicke der Mitfahrenden auf mir und ein unangenehmes Gefühl machte sich in mir breit. Ich bildete mir ein, dass die anderen mich für eine schlechte Mutter halten würden, da mein Baby nicht gut drauf war. Ich hatte Angst, dass sie sich gestört fühlten. Viele innere Stimmen diskutierten in mir. Ich hielt mein Baby im Arm und hoffte, dass wir nun endlich an der Ziel-Haltestelle ankommen würden. Die Zielhaltestelle war noch weit entfernt, aber dafür kam eine Frau, von der Sorte Mensch, die ich gerne als Engel im Alltag beschreibe. Sie stellte sich hinter die Scheibe, am mittleren Busausgang, an dem wir saßen, und begann, mit ihren Fingern auf der Scheibe zu malen. Sie versuchte mein Baby aufzumuntern und es gelang ihr. So vergingen einige Minuten in denen sie für mein Kind an der Scheibe malte. Eine Welle der Dankbarkeit ihr gegenüber durchströmte mich. Sie SAH uns. Inmitten des vollen Busses. Inmitten im Trubel des Öffentlichen Nahverkehrs der Großstadt. Sie war nicht GEGEN uns, sondern FÜR uns. Durch ihre Geste fühlte ich mich nicht mehr wie eine Versagerin. Und ich möchte mich hiermit bei der unbekannten Frau mit dem warmen Lächeln von Herzen bedanken. Danke, dass du uns gesehen hast.

Ihre Geste half mir, selbst wieder in meine Intuition zu finden, welche vom Stimmengewirr in meinem Kopf unterdrückt wurde. Und so schlief mein Baby kurze Zeit später friedlich in meinem Arm.

Ich habe darüber nachgedacht, wie ich es benennen kann, was diese Person gezeigt hat. Und ich denke, es ist am ehesten mit Mitgefühl zu beschreiben. Dieses aufrichtige Mitgefühl, half mir, mich nicht alleine zu fühlen. Mich nicht mehr als Störfaktor in einer nach Perfektion strebenden Gesellschaft zu fühlen. Es gelang mir, die Blicke der anderen Mitfahrenden auszublenden und damit auch die bösen Stimmen in meinem Kopf verstummen zu lassen. Ich sagte mir: Ich muss es nicht alleine schaffen.

Und das musst DU auch nicht. Es braucht das Dorf.

Ich habe aus dieser Begegnung für mich mitgenommen, dass es gut tut und Kraft schenkt, gesehen zu werden. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich mir nun vorgenommen, selbst mehr Mitgefühl zu zeigen.

Und an dieser Stelle möchte ich dir nun noch von mir als Mama zu dir als Elternteil folgendes mit auf den Weg geben:

– Du bist wichtig und wertvoll und du bist gut genug. Für dein/e Kind/er bist du die beste Mutter/der beste Vater auf der ganzen Welt.

-Du darfst dich mal überfordert oder gefordert fühlen.

-Es ist gut Hilfe anzunehmen. Du musst es nicht alleine schaffen.

DU BIST GUT GENUG.

Avesta

PS: Mich würde es sehr interessieren, wie deine Erfahrungen sind: Bist du sogenannten „Alltags-Engeln“ schon begegnet? Wenn ja, was haben sie getan? Wenn nicht, was würdest du dir wünschen?

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2 Kommentare zu „{Leben mit Kind} Vom Gesehen werden oder auch: Eltern-Mitgefühl

  1. So ein schöner Blogbeitrag. Da steckt so viel Liebe drin… :)
    Ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und dieser Beitrag war der Erste, den ich las. Ich möchte dir sagen, dass ich deinen Schreibstil total schön finde und gerne solche Texte lese.

    Mir fällt dazu folgendes Erlebnis ein:
    Ich hatte vor einigen Jahren einen Arzttermin. Dieser Arzt befand sich in einer Fußgängerzone, die Parksituation in dieser Stadt ist furchtbar. Ich fand schließlich einen Parkplatz, schmiss großzügig Geld in den Parkautomaten, legte den Parkschein in die Windschutzscheibe und ging. Der Termin dauerte deutlich länger als vermutet und es passierte, dass ich über die bezahlte Parkzeit kam. Ich vermutete schon ein Knöllchen und hetzte zum Auto zurück.
    Dort angekommen sah ich, dass mir jemand seinen Parkschein mit genügend Restzeit unter den Scheibenwischer geklemmt hatte. Das war mein unbekannter Alltagsengel. (Dieses Wort ist wundervoll!)
    Unabhängig davon, ob das überhaupt so vom Ordnungsamt akzeptiert worden wäre, fand ich die Geste einfach toll. Seit dem verschenke ich auch immer meine Parkscheine an ankommende Personen, wenn ich noch einiges an Restzeit habe, die ja sonst ohnehin verfallen würde. Viele Menschen zeigen sich sehr dankbar und das macht mich glücklich.

    Lieben Gruß,

    Frau Ehrlich

    Gefällt mir

    1. Wow, was für eine berührende Geschichte! Da sind mir gerade glatt die Tränen gekommen. Das ist eine super Idee mit dem Verschenken der Parkscheine. Das werde ich mir merken!

      Ich danke dir von Herzen für deinen Kommentar. Deine Worte haben mir Mut zum Weiterschreiben gegeben.

      Herzliche Grüße,
      Avesta

      Gefällt 1 Person

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